Eine fröhliche Wanderfahrt

war der Titel des Berichts über eine Fahrradtour von Nürnberg an den Gardasee, die Frau Marie Adametz aus Nürnberg unternahm.

Er erschien im Juli 1899 in der Zeitschrift „DRAISENA – Erstes und ältestes Sportblatt der radfahrenden Damen“.

Draisena - Erstes und ältestes Sportblatt der radfahrenden Damen

Die Tour führte zunächst von Treuchtlingen über Ulm nach Friedrichshafen an den Bodensee. Mit dem Schiff ging es nach Konstanz und von da aus mit dem Rad in die Schweiz, über Winterthur nach Zürich. Danach über Zug und Küssnacht an den Vierwaldstädter See und nach Luzern. Mit dem Dampfer setzte man auf die andere Seeseite über und weiter gings mit dem Rad nach Andermatt und dann mit der Bahn nach Airolo. Von hier aus mit dem Rad weiter nach Belinzona und Lugano. Als nächstes wurde die Grenze nach Italien überschritten und es ging über Como am gleichnamigen See nach Mailand. Weiter führte die Tour über Brescia an den Gardasee. Die ursprüngliche Idee, nach Venedig zu fahren, gaben die Damen auf, weil „uns zwei von dort kommende, durch Mücken etc. stark zerstochene Fremde so Angst vor der Hitze und dem lästigen Ungeziefer [machten]“. Vom Gardasee ging die Rückfahrt über Trient und Bozen zum Brenner. Über Innsbruck und Scharnitz führte die Route dann nach Mittenwald und München. Nachdem Ingolstadt, Eichstätt und Schwabach passiert waren, wurden die Radlerinnen von Sportskollegen*innen aus Nürnberg abgeholt.

Frau Marie Adametz aus Nürnberg, aus: Draisena vom 10.07.1899

Ein bisschen Werbung durfte in der achtseitigen, reich bebilderten Reisebeschreibung natürlich auch nicht fehlen: „Zum Schluss kann ich nicht umhin, zu bemerken, dass wir sämtlich Herkules-Räder (vorm. Karl Marschütz) fuhren und dass sie tapfer aushielten und uns nie im Stiche liessen, ob’s bergauf oder thalwärts ging, krumm oder grad. Es ist ein gar beruhigendes Gefühl, wenn man Leben und Gesundheit so einer Maschine ohne Sorge anvertrauen kann.

Der Bericht schloss mit folgenden Worten: „Sollte nun eine oder die andere von den lieben Sportsschwestern so glücklich sein, sich 14 Tage von ihrem Berufe oder von ihrer Häuslichkeit trennen zu können, so setze sie sich unverdrossen aufs Rad und mache die Tour nach; denn es ist erstens gar nichts Gefährliches dabei, zweitens sind die Strapazen nur gering und drittens war es wunderschön.“

Nach Recherchen im Stadtarchiv Nürnberg war Marie Adametz geb. Maurer am 21.02.1858 in Bamberg zur Welt gekommen. Zum Zeitpunkt ihrer fröhlichen Wanderfahrt war sie also 41 Jahre alt. Sie war mit dem Musiker Johann Adametz verheiratet, der im Nürnberger Adressbuch von 1898 mit der Anschrift „Hintere Insel Schütt 15, I.“ eingetragen war.

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