Die Geschichte der Nürnberger Fahrrad-Händler

Die Entwicklung der Fahrrad-
Handlungen in Nürnberg

Grafik Die Entwicklung der Fahrradhandlungen in Nürnberg

Die Grafik zeigt, dass sich die Anzahl der Fahrradhandlungen von drei im Jahr 1885 auf 45 im Jahr 1905 erhöhte. Der Hauptgrund für diese Zunahme war eine starke Erhöhung der Nachfrage, die ganz unterschiedliche Ursachen hatte, z.B.:
– Mit dem Übergang vom Hochrad zum Niederrad entwickelte sich das Fahrrad vom elitären Sportgerät zum Fortbewegungsmittel für jedermann.
– Die Obrigkeit lockerte nach und nach die restriktiven Vorschriften, das Fahrrad wurde als Verkehrsmittel akzeptiert.
– Die Fabriken stellten von handwerklicher Einzelfertigung auf industrielle Serienproduktion um. Dadurch und durch eine starke Konkurrenz untereinander wurden die Räder billiger und erreichten so einen größeren Kundenkreis.
– Technische Verbesserungen wie die Einführung des Luftreifens oder des Freilaufs erhöhten den Komfort und kurbelten die Nachfrage zusätzlich an.
– Radsport war ungeheuer populär, Radrennen zogen Tausende von Zuschauern in ihren Bann. Auch das steigerte bei vielen den Wunsch, ein eigenes Fahrrad zu besitzen.

Fahrrad-Händler gab es in Nürnberg schon vor den
Fahrrad-Fabriken.

Webeanzeige des „Nürnberger Vélocipèdes-Depot“ von Ch. J. Vogel, 1884
Werbeanzeige des „Nürnberger Vélocipèdes-Depot“ von Ch. J. Vogel
aus dem Nürnberger Adressbuch von 1884

Vogel fertigte auch selbst Hochräder aus Komponenten, die er aus England importierte und verkaufte sie als „Eigenmarke“. Das Firmenschild von einem Vogel-Hochrad dokumentiert die Herkunft: Nürnberger-Velociped-Depot Chr. J. Vogel, Schlotfegergasse No. 15.

Christian Joachim Vogel eröffnete 1884 in der Schlotfegergasse 15 das „Nürnberger Velociped-Depot“, eine der ersten Fahrradhandlungen in Nürnberg. Die Anzeige, die 1884 im Nürnberger Adressbuch erschien, macht deutlich, dass damals noch Hochräder aus England das Maß aller Dinge waren. Neben englischen Vélocipédes bot Vogel auch Zubehör wie Taschen, Laternen, Glocken und Werkzeuge an.
1885 war Vogel Generalvertreter für zwei englische Fahrradfirmen: „Hillman, Herbert & Cooper, Premier Works“ und „The Sparbrook Manufacturing Co. Ltd.“, beide in Coventry beheimatet.
1887 wurde das „Nürnberger Velociped-Depot“ an „Hillman, Herbert & Cooper“ verkauft, die ein Jahr später eine eigene Fahrrad-Fabrik in Nürnberg eröffneten. 

Firmenschild von einem Vogel-Hochrad
Firmenschild an einem Vogel-Hochrad
Werbeanzeige des Fahrrad-Händlers J. H. Klaussner, Fahrrad-Händler in Nürnberg, 1896
Werbeanzeige des Fahrrad-Händlers J. H. Klaussner,
Fränkischer Kurier vom 04.03.1896

Fahrrad-Handel wurde im Haupt-
oder Nebenerwerb betrieben

In der obigen Grafik sind nur Firmen enthalten, die den Fahrradhandel im Hauptberuf ausübten. Diese Händler hatten in der Regel ein Ladengeschäft, in dem sie die Produkte mehrerer Hersteller präsentierten, sie unterhielten ein Lager, verkauften auch Zubehör und Ersatzteile und verfügten über eine Reparaturwerkstatt. In der Anfangszeit boten die Händler auch Fahrkurse an.

Die Firma J. H. Klaussner erfüllte alle diese Kriterien und ist ein typisches Beispiel für eine frühe Nürnberger Fahrradhandlung.

Bei den Personen, die den Fahrradhandel als Nebenerwerb betrieben, kann man zwei Gruppen unterscheiden:
– Selbständig Tätige, die den Handel mit Fahrrädern zusätzlich zu ihrem eigentlichen Gewerbe ausübten, z.B. Gastwirte, die nebenbei auch Fahrräder verkauften.
– Abhängig Beschäftigte, häufig Mechaniker, Schlosser oder Schmiede, die neben ihrer Berufstätigkeit mit Fahrrädern handelten.
Oft war die Ausübung eines solchen Nebenerwerbs von eher kurzer Dauer.